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Studierendenparlament

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Offener Brief

Mit diesem offenen Brief richten wir uns an die Landesregierung und fordern Sie auf, eine Strategie für ein Wintersemester mit viel Präsenzlehre zu entwickeln.

Weiter unten befindet sich ein FAQ, in dem wir Fragen zum Brief beantworten.

Update (Stand 06.08.)

Wir freuen uns, dass unser offener Brief so viel Unterstützung erfährt und danken allen Unterzeichner*innen. Wie viele wahrscheinlich schon mitbekommen haben, gibt es inzwischen auch eine neue Infektionsschutzverordnung, die Präsenzveranstaltungen auch ohne Abstand erlaubt, solange die lokale Inzidenz unter 100 liegt. Damit wird deutlich mehr Lehre vor Ort möglich und eine wichtige Forderung aufgegriffen.

Wir haben den Brief dennoch in der letzten Woche offiziell an die Staatsregierung gesendet. Zum einen wollten wir deutlich machen, dass es breiten Rückhalt für mehr Präsenz gibt. Zum anderen haben die unterzeichnenden Studierendenvertretungen im Begleitschreiben betont, dass sie zwei Punkte in der aktuellen Verordnung kritisch sehen. Das ist erstens die strikte Inzidenzabhängigkeit, die viel Unsicherheit schafft. Zweitens erscheint die aktielle Regel von zwei Corona-Tests pro Woche für Universitäten als nicht zweckmäßig. Wir würden eher eine Variante bevorzugen, nach der das Testergebnis nur eine gewisse Anzahl an Stunden alt sein darf.

Update (Stand 31.10.)

Wir haben inzwischen eine Antwort erhalten, in der das Ministerium betont, dass die Kernaussagen des Briefes bereits umgesetzt wurden und daher der Brief als solches keine neuen Forderungen erhält, die noch umgesetzt werden können. Wir bedanken uns bei allen Unterstützern, die den Brief unterschrieben haben.


Offener Brief - für mehr Präsenzlehre an bayerischen Hochschulen

"Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Dr. Söder,
sehr geehrter Herr Staatsminister Sibler,

wir – die Vertreterinnen und Vertreter vieler Studierenden an bayerischen Hochschulen und die Studierenden selbst - wenden uns an Sie, weil wir den Interessen der Studierenden in Bayern Gehör verschaffen und mehr Präsenzlehre im Wintersemester fordern wollen.

Seit März 2020 findet Lehre an den Hochschulen fast ausschließlich digital statt. Viele Studierende leiden unter der digitalen Lehre. Für viele ist das einsame Lernen zu Hause eine große Belastung, psychische Probleme haben dramatisch zugenommen.

Seit rund einem Monat ist Präsenz mit Abstand, Test und FFP2-Maske wieder möglich. Wir wissen, dass diese Regeln dem Schutz aller dienen, aber sie machen Lehre vor Ort vielerorts schlicht unmöglich. Denn wenn überall 1,5 Meter Abstand gelten, stoßen die Raumkapazitäten schnell an ihre Grenzen. Unter den aktuellen Bedingungen kann so nur ein Bruchteil der Lehrveranstaltungen vor Ort abgehalten werden. Und das, obwohl Sie, Herr Staatsminister Sibler, „mehr Präsenz“ angekündigt haben. Gelten die aktuellen Regeln aber im Winter weiter, werden viele Studierende faktisch ein viertes Digitalsemester erleben.

Wir haben die Online-Lehre stets als Notwendigkeit gesehen, um zur Pandemiebekämpfung beizutragen, und in der überwiegenden Mehrheit klaglos mitgemacht. Nun aber ist aus unserer Sicht eine Grenze erreicht, die diesen offenen Brief nötig macht. Wir nehmen erstaunt zur Kenntnis, dass private Treffen immer größer werden dürfen, dass die Gastronomie öffnen darf, dass der Fußball Sonderrechte genießt. Das Studium von rund 400.000 jungen Menschen in Bayern scheint dagegen keine Rolle zu spielen.

Während endlich die Diskussion über Schulschließungen und Wechsel- oder Digitalunterricht für Kinder und Jugendliche stattfindet, kümmert es anscheinend niemanden, ob Studierende in Bayern eine gute Bildung erhalten. Gute Bildung ist für uns nicht „ausschließlich digital“ und „nur in Ausnahmen präsent“. Sie lebt von Austausch, Diskurs und einem echten Miteinander – gerade an einer Universität und Hochschule. Hier geht es um Diskurs, um persönliche und intellektuelle Entwicklung.

Das zögerliche Vorgehen bei der Öffnung der Hochschulen verstehen wir deshalb nicht. Uns macht Sorgen, dass selbst bei den aktuell niedrigen Inzidenzen und mit fortschreitender Impfkampagne keine Strategie für mehr Präsenz erkennbar ist.

Wir fordern Sie daher auf, konkrete Konzepte für das Wintersemester vorzulegen, die an Hochschulen und Universitäten Präsenzlehre für viele Studierende und, wo nötig, flexible Lösungen ermöglichen. Wir wünschen uns eine Exit-Strategie, die einen Anteil an Präsenzveranstaltungen von deutlich mehr als 50 Prozent zum Ziel hat. Nur so können alle Studierenden regelmäßig Lehre an der Hochschule erleben und es wird ein Präsenzsemester möglich, das den Namen auch verdient hat. Die Ankündigungen sollten dabei zeitnah erfolgen, um Dozierenden und Studierenden Planungssicherheit zu geben.

Natürlich ist uns klar, dass Präsenzlehre nur verantwortungsvoll durchgeführt werden kann, Vorsichtsmaßnahmen weiter beachtet werden müssen und eine drastische Verschlechterung der Corona-Lage wieder eine Kehrtwende erzwingen kann. Sie wie wir wissen allerdings auch: Inzwischen sind Massentests verfügbar, und alle Studierenden, die das wollen, werden sich bis zum Start des Wintersemesters impfen lassen können. Das wird das Risiko von Corona-Ausbrüchen an den Universitäten deutlich reduzieren. Für uns stellt sich die Frage: Wenn es nicht jetzt mehr Normalität gibt, wann dann?

Wir hoffen deshalb, dass Sie als Staatsregierung konkrete Schritte ergreifen können, um wieder flächendeckende Präsenzlehre zu ermöglichen. Die Studierenden in Bayern werden es Ihnen danken."



Unterstützer*innen

Studierendenvertretungen, die sich bisher für den Brief ausgesprochen haben:

  • LandesAStenKonferenz Bayern
  • Studierendenparlament Universität Bayreuth
  • Studierendenvertretung FAU Erlangen-Nürnberg
  • Studentischer Konvent Universität Augsburg
  • Studentischer Sprecher*innenrat der Universität Regensburg
  • Studierendenvertretung Uni Bamberg
  • Studentischer Konvent Universität Würzburg

Liste der Einzelpersonen, die den Brief unterstützen: Hier zu finden

FAQ

Warum wird der offene Brief jetzt geschrieben?Einklappen

Eigentlich hatte das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst versprochen, bis Anfang Juli Informationen zum Wintersemester bereitzustellen. Das ist aber bis heute nicht passiert. Stattdessen haben wir den Eindruck, dass keine Strategie für das kommende Semester vorhanden ist. Für die Studierenden wäre das fatal, denn so laufen wir faktisch direkt ins vierte Digitalsemester. Dagegen wollten wir protestieren und haben deshalb den offenen Brief verfasst.

Warum liegt das Ziel bei deutlich mehr als 50 Prozent Präsenzanteil?Einklappen

Unter den aktuellen Regelungen mit 1,5 Meter Abstand könnten nur ein Bruchteil der Lehrveranstaltungen in Präsenz stattfinden. Das ist uns deutlich zu wenig. Wir glauben, dass man mit Tests, Masken und Impfungen viel mehr Lehre vor Ort ermöglichen kann. Ein Präsenzanteil von deutlich mehr als 50 Prozent würde bedeuten, dass fast alle Studierenden regelmäßig Veranstaltungen in ihrer Hochschule haben. Der konkrete Präsenzanteil wird aber auch von den Bedingungen der jeweiligen Hochschule sowie der pandemischen Lage abhängig sein. Und nicht zuletzt gibt es auch Gruppen, für die eine Rückkehr in Vollpräsenz problematisch sein könnte. Internationale Studierende haben zum Beispiel weiterhin Schwierigkeiten, nach Deutschland einzureisen. Deshalb wollen wir keine fixen Vorgaben machen. Wichtig ist vor allem, dass wieder mehr Präsenz angestrebt wird und hinter diesem Ziel sollten wir uns vereinigen.

Wer kann den offenen Brief unterstützen?Einklappen

Jede Person, die Mitglied an einer bayerischen Hochschule ist. Also sowohl Studierende als auch wissenschaftliche Mitarbeiter*innen, Promovierende, Professor*innen oder sonstige Mitarbeiter*innen. Das Thema Präsenzlehre geht schließlich alle an.

Daneben können einzelne Studierendenvertretungen den Brief unterstützen, wie es bereits das StuPa der Uni Bayreuth tut. Falls ihr dies tun wollt, schreibt uns bitte eine Mail an wilst.stupa@uni-bayreuth.de

Was soll mit dem offenen Brief geschehen?Einklappen

Im Moment sammeln wir Unterstützung. Sobald wir merken, dass nur noch wenige Unterstützerinnen und Unterstützer hinzukommen, wollen wir den Brief auch offiziell an die Staatsregierung senden und hoffen dann natürlich auf eine Reaktion. Darüber werden wir euch hier auf der Website auf dem Laufenden halten.


Ansprechpartner


Felix Granzow
Sprecher für Wissenschaft, Lehre und Studium
Studierendenparlament Universität Bayreuth
Universitätsstraße 30, 95447 Bayreuth
E-Mail: wilst.stupa@uni-bayreuth.de


Verantwortlich für die Redaktion: Felix Bernhard Granzow

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