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Studierendenparlament

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Positionspapier des Studierendenparlaments

Sommersemester 2020 in Zeiten der Corona-Pandemie 

Semester flexibilisieren Digitales Potenzial entfesseln Campusleben erhalten Nachteile ausgleichen 

Das Sommersemester 2020 stellt uns vor besondere Herausforderungen. Durch die Covid-19-Pandemie und die damit einhergehende Einstellung des Lehr- und Prüfungsbetriebs, sowie die weitgehende Schließung unseres Campus, wird das Sommersemester 2020 nicht nach dem Schema "Business as usual - only online!" ablaufen können. Dennoch positionieren auch wir uns gegen ein "Nicht-Semester", wie es u.a. von Professor*innen unserer Universität am 22. März 2020 im Offenen Brief "Das Sommersemester muss ein Nicht-Semester werden" gefordert wurde. Wir unterstützen vollumfänglich den Plan des Ministers und des Verband bayrischer Hochschulen das kommende Semester stattfinden zu lassen. Das Sommersemester 2020 muss aus unserer Perspektive stattfinden. Deswegen braucht es flexible, kreative und auf unsere vielfältigen Studiengänge zugeschnittene Lösungen, die gleichzeitig rechtssicher umsetzbar sind. Hier entscheidet unsere Universität nicht alleine, doch die Bereiche, die wir als Universität Bayreuth beeinflussen können, sollten und müssen wir gemeinsam als Hochschulfamilie angehen. Unser Motto ist dabei, dass wir alle Bereiche unserer Universität mitnehmen und niemanden zurücklassen. Nur wenn wir diese Krise gemeinsam auch als Chance sehen, können wir das Sommersemester 2020 zu einem Erfolg führen.

Die in diesem Positionspapier enthaltenen Forderungen beziehen sich ausschließlich auf Angelegenheiten, die unsere Universität selbst entscheiden oder zumindest beeinflussen kann. Aus diesem Grund werden insbesondere nur vereinzelt Aussagen zu Bundes- oder Landespolitischen Maßnahmen getroffen.

I. Semester flexibilisieren

Nach momentanen Stand ist eine Durchführung der Präsenzlehre zum 20. April 2020 unwahrscheinlich. Mit seiner E-Mail vom 03. April 2020 hat der Präsident einen rein digitalen Semesterstart für das Sommersemester angekündigt. Dies stellt unsere Campus-Universität vor die Herausforderung einen ordentlichen, rechtlich einwandfreien und für alle Studierenden gerechten Lehr- und Prüfungsbetrieb online sicherzustellen. Mit dem Schreiben der Hochschulleitung vom XX. März 2020 wurden alle Lehrenden dazu aufgefordert den Vorlesungsbetrieb für das Sommersemester zu digitalisieren. Wir halten eine vollständige und qualitativ hochwertige Digitalisierung unseres Lehrbetriebs innerhalb eines Monats für kaum zu bewältigen. Es braucht kreative Lösungen und es braucht den rechtlichen Rahmen, um diese kreativen Lösungen auszuprobieren. Unser Ziel muss dabei sein den Lehr- und Prüfungsbetrieb soweit es möglich ist aufrecht zu erhalten. Auch im Sommersemester 2020 muss es möglich sein im Studium voran zu kommen, so gut wie alle Prüfungen abzulegen und entsprechende Leistungspunkte zu erbringen.

Auch wenn wir davon ausgehen können, dass zumindest ein Teil der Präsenzlehre bis zum Ende des Semesters wieder stattfinden kann, wird die Pandemie wohl noch einige Zeit andauern. Vor diesem Hintergrund muss der Grundsatz gelten, dass die Fächer, die digital begonnen werden auch digital fertiggestellt werden können. Zwar geht es bei diesem Grundsatz vor allem um die Lehrveranstaltungen ans sich. Er beinhaltet aber auch, Möglichkeiten zu suchen, wie digitale Prüfungsleistungen durchgeführt werden können. Nach unserer Auffassung liegt die Entscheidung, ob digitale Prüfungen möglich sind oder nicht vor allem auch in der Autonomie der Hochschulen. Dies beinhaltet Änderungen in den Studien- und Prüfungsordnungen, die möglichst schnell umgesetzt werden sollten.

Ein weiterer Punkt ist der Ausbau der gegenseitigen Anerkennung von Prüfungsleistungen über die virtuelle Hochschule Bayern (vhb). Nicht jede Universität kann sofort eine komplette Digitalisierung seiner Lehrveranstaltungen anbieten. Die Uni Bayreuth ist in diesem Punkt sicherlich gut aufgestellt, doch auch wir werden nicht sofort alle Veranstaltungen direkt digital bereitstellen können. Grundsätzlich ist schon jetzt eine Anerkennung von Prüfungsleistungen über die vhb möglich. Sie wird in vielen Studiengängen jedoch nur sehr selten durchgeführt. Gerade in einer solchen Ausnahmesituation, wie sie momentan vorliegt, ist es jedoch wichtig, dass wir alle uns zur Verfügung stehenden Mittel nutzen. Dies beinhaltet auch, dass wir als Universität Bayreuth unsere digitalen Angebote über die vhb vermehrt zur Verfügung stellen.

Deshalb fordern wir: 

  • Eine Aufrechterhaltung des Lehr- und Prüfungsbetriebs in digitaler Form soweit diese möglich ist.

  • Eine Unterstützung der Lehrenden bei der Ausarbeitung und Bereitstellung von digitalen Lehrveranstaltungen durch die Freigabe weiterer Mittel sowie die Bereitstellung von kurzfristigen und unbürokratischen Unterstützungsangeboten durch das FBZHL und das ITS.

  • Eine schnelle Evaluierung der rechtlichen und tatsächlichen Möglichkeiten der Umsetzung von digitalen Prüfungen. Hierbei müssen insbesondere Best-Practice Beispiele anderer Universitäten (auch von privaten Universitäten) herangezogen werden.

  • Eine vermehrte und vereinfachte Anerkennung von Leistungen, die über die Virtuelle Hochschule Bayern erbracht wurden.

  • Eine vermehrte Bereitstellung von digitalen Lerninhalten der Universität Bayreuth für andere Universitäten über die vhb (Virtuelle Hochschule Bayern).

II. Digitales Potenzial des Campus entfesseln

Aus der Krise können wir als Universität gestärkt hervorgehen. Schon jetzt gehen wir digitale Schritte, die vor einigen Monaten noch unvorstellbar waren. Dies dürfen wir nicht nur als notwendiges Übel zum Umgang mit der Krise sehen, sondern auch als Chance für die digitale Lehre und die Digitalisierung allgemein an unserem Campus. Der schiere Anstieg des Bedarfs von digitaler Lehre und digitalen Lösungen ist jedoch nur schwer durch das ITS und das FBZHL aufzufangen. Es wurden bereits weitere Mittel zur Umsetzung der digitalen Lehre freigegeben und weitere HiWis eingestellt. Wir gehen jedoch davon aus, dass diese Maßnahmen nicht ausreichen werden, um alle die Lehrenden an unserer Universität zu unterstützen, die Unterstützung bedürfen.

Wir schlagen deshalb vor das Potenzial, das in unserem Campus, in unseren Studierenden steckt, zu nutzen. Wir müssen hierzu zusätzliche Möglichkeiten schaffen, dass qualifizierte Studierende bei der Konzeption und digitalen Durchführung von Lehrveranstaltungen direkt mitwirken. So können die Angebote des ITS und des FBZHL entlastet werden und gleichzeitig noch mehr Lehrveranstaltungen digital umgesetzt werden. Die Einbindung von Studierenden kann über zwei Bereiche funktionieren. Zum einen kann dies durch die zusätzliche Einstellung von HiWis durch die Lehrstühle, zum anderen durch eine "Vergütung" durch Leistungspunkte derjenigen Studierenden, bei denen sich hierdurch zu ihrem Studium passende Schlüsselqualifikationen ableiten lassen (bspw. Lehramtsstudierende oder Studierende der Informatik) realisiert werden. Dies kann natürlich nur alternativ funktionieren, sprich entweder findet eine monetäre Vergütung als Hiwi statt oder eine Vergütung durch Leistungspunkte statt.

Uns ist bewusst, dass zusätzliche Hiwis auch zusätzliche Mittel benötigen. Eine Möglichkeit dies umzusetzen ist eine Umplanung der Studienzuschussmittel auf Ebene der Fakultäten und auf zentraler Ebene. Gerade in den Bereichen, wo Mittel für Exkursionen, Gastdozenten, nicht benötigte Sachausgaben etc. verplant sind, sollten diese Mittel für die Unterstützung der Digitalisierungsbemühungen freigeräumt werden. Uns ist bewusst, dass durch die Anordnung nur noch 100% der Mittel zu verteilen bereits vielfältige Kürzungen vorgenommen werden müssen. Dennoch sind wir der Meinung, dass die Mittel für das Sommersemester 2020 sinnvoll umgewidmet werden müssen. Dies bedeutet, dass die Fakultäten kritisch ihre eigeneren Verwendungspläne evaluieren müssen und notwendige Anpassungen für diese besondere Situation vornehmen müssen.

Deshalb fordern wir:

  • Einstellung von zusätzlichen studentische Hilfskräften an den Lehrstühlen. Hierzu müssen unbürokratisch Mittel aus dem Haushalt der Universität Bayreuth soweit möglich, umgewidmet werden.

  • Bereitstellung von zusätzlichen Mitteln für studentische Hilfskräfte aus den Studienzuschussmitteln des Sommersemesters 2020. Hierzu müssen die Fakultätskommissionen im Rahmen der Überarbeitung der Pläne bis zur PK Studienzuschüsse am 06. Mai 2020 Kürzungen in Bereichen vornehmen, die aufgrund der aktuellen Situation nicht durchgeführt werden können. Bei kleineren Fakultäten ist eine Unterstützung durch Kürzungen von Maßnahmen auf zentraler Ebene denkbar.

  • Falls notwendig Änderung der Studien- und Prüfungsordnungen, um eine Anrechnung von Unterstützungsleistungen bei der Digitalisierung der Lehre als Leistungspunkte zu ermöglichen.

III. Campusleben erhalten 

Die Corona-Pandemie ist nicht nur für die Lehre ein Herausforderung. Auch unser vielfältiges Campusleben mit seinen vielen Initiativen, Veranstaltungen, Partys, Diskussionen und akademischen Freizeitangeboten leidet unter den Ausgangsbeschränkungen und der Verlagerung in die digitale Welt. Gerade in einer Zeit, in der sich viele Studierende durch eingeschränkten Kontakt einsam fühlen, braucht es einen zentralen digitalen Begegnungsraum. Deshalb unterstützen wir als Studierendenparlament den studentisch organisierten "digitalen Campus" auf der Plattform Discord (https://discord.gg/GzcRy3J). Dies soll insbesondere auch Erstsemestern ermöglichen sich trotz der Kontaktsperre in neuen Initiativen zu engagieren, Freunde zu finden und den Alltag zu beleben.

Doch auch unsere Initiativen und insbesondere Organisationen wie das Glashaus oder das Theater am Campus (AK TaC) können nicht ihr normales "Programm" im Sommersemester stattfinden lassen. Hierzu braucht es kreative und solidarische Lösungen bei uns am Campus. Die Aufzeichnungsgeräte, die wir ansonsten vorrangig für die Lehre benutzt werden, müssen - soweit sie die Erstellung von Lehrveranstaltungen nicht stören - auch Initiativen zur Verfügung gestellt werden, damit diese Ihre Angebote ins digitale bringen können. Denkbar ist hier auch die Nutzung unserer E-Learning-Plattform. Eine Koordinierung und Administration über das StuPa ist hierbei durchaus denkbar.

Unser Campus lebt von den vielfältigen großen und kleinen Veranstaltungen, die über das Semester unsere Universität bereichern. Seien es Veranstaltungen der Universität wie das UNIKAT, das Summer Feeling, die Fakultätspartys oder die Campus-Kultur-Woche und das Uniopenair (UOA) des Studierendenparlaments. Viele dieser Veranstaltungen werden im Sommersemester 2020 nicht oder nicht wie gewohnt stattfinden können. Auch hierfür müssen soweit möglich digitale Lösungen gefunden und Termine verschoben werden.

Deshalb fordern wir: 

  • Unterstützung der Hochschulleitung bei der Vermarktung eines - Discord - Servers auch gerade unter den neuen Erstsemestern.

  • Unterstützung von Initiativen durch die kostenlose Bereitstellung von Technik zur Aufnahme von Videos/Podcasts etc, sowie Zugang und Erstellung von eigenen Inhalten auf der E-Learning-Plattform der Universität, soweit dies nicht die Bereitstellung von digitalen Lehrinhalten beeinträchtigt.

  • Unterstützung von großen und kleinen Veranstaltungen (Kulturellen/Lehrbezogenen/etc.) bei der Digitalisierung und kulante Regelungen bei der Planung von Verschiebungen durch die Raumvergabe.

IV. Nachteile ausgleichen

Durch eine Pandemie, wie die aktuelle entstehen aber zwangsläufig auch Nachteile für einige Studierende. Sei es durch fehlende technische Ausstattung, finanzielle Sorgen durch wegfallende Jobs oder aber auch zu geringe zeitliche Kapazitäten durch soziales und gesellschaftliches Engagement. Hier müssen kulante Regelungen geschaffen werden, um alle Nachteile, die durch die Pandemie entstehen, auszugleichen. Präsident Leible und Vizepräsident Huber haben zwar darauf hingewiesen, dass durch ein Antrag an die entsprechenden Prüfungsämter eine Verschiebung oder Verlängerung von allen studiengangsbezogenen Fristen wegen einem "nicht zu vertretenden Grund" möglich ist. Wir wissen aber auch, dass die Prüfungsämter und Lehrstühle an den einzelnen Fakultäten eigentlich gleiche Sachverhalte anders auslegen. Dies haben wir schon bei der ursprünglichen Verschiebung der Fristen mit Beginn der Pandemie feststellen müssen. Auch hier wurden teilweise Fristen nicht verschoben.

Aus diesem Grund braucht es eine zentrale Regelung bzw. Handhabe zum Umgehen mit bestimmten coronaspezifischen Fällen. Zu diesen muss auch herausragendes ehrenamtliches/soziales Engagement bspw. in lokalen Kliniken oder anderen Gesundheitseinrichtungen zählen. Studierende, die sich in Zeiten der Krise für die Gesellschaft engagieren, dürfen hieraus keinen Nachteil bekommen. Auch muss der entsprechende Antrag unbürokratisch und ohne die Vorlage zu weitreichender "Beweise" möglich sein. Die finanzielle Gefährdung durch den coronabedingten Wegfall einer Arbeit muss eine ausreichende Grundlage für die Verschiebung von Fristen darstellen.

Deshalb fordern wir:

  • Eine gemeinsam von der Hochschulleitung unter Mitarbeit des StuPa herausgegebene Handreiche für die Prüfungsämter zu coronabedingten Gründen für die Gewährung eines Antrags auf Fristverlängerung aus "Nicht zu vertretendem Grund", die als Entscheidungsgrundlage für die jeweiligen Einzelfälle gilt.
  • Die Gewährung von Fristverlängerungen für herausragendes soziales Engagement im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie
  • Unbürokratische und schnelle Beantwortung der entsprechenden Anträge

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Verantwortlich für die Redaktion: Jonas Christian Würdinger

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